Konfuzius-Institut Bremen


夏令营 Sommercamp 2014
Chinesisches Mittagessen in Shanxi

Tag 5: Mit dem Nachtzug nach Shanxi

Nicht mein Tag. Nach dem Chinese-Handicraft-Kurs, in dem wir einen dieser typischen Anhänger gemacht haben, die man überall in China findet - ich brauche ewig, bin am Ende aber sehr stolz auf mein Werk - fällt mir meine Zimmerkarte in die Toilette. Selbst der sprichwörtliche Griff ins Klo kann sie nicht retten. Ich löse einen Automatismus aus und die Karte ist weg. Weggespült.

An der Rezeption bekomme ich eine neue, bin aber nun so spät dran, dass es kein Essen mehr gibt. Mein Magen knurrt.

In einem kleinen Restaurant finde ich tolles, ausnahmsweise mal wirklich vegetarisches Essen. Während ich auf mein Essen warte, unterhalte ich mich mit einem kleinen Mädchen. Ich versuche es zumindest. Ich gebe mein bestes Chinesisch, doch das kleine Mädchen erklärt mir nach jedem von mir sorgsam betonten Satz grinsend, es würde meinen komischen Dialekt nicht verstehen. Ein bisschen unterhalten können wir uns aber doch und mitspielen darf ich auch.

Nach dem Essen haben wir einen chinesischen Singkurs, in dem wir zwei bekannte chinesische Lieder singen. Obwohl das erste ziemlich schnulzig ist, verfolgt uns die Melodie tagelang! Unglück im Unglück. Das zweite heißt übersetzt „Freund“ und ist ziemlich cool. Diese Melodie behalte ich natürlich nicht.

Nachdem wir alle unsere Reiseutensilien beisammen haben, fahren wir mit unserem kleinen Reisebus zum Bahnhof von Peking, wo wir auf unseren verspäteten Nachtzug warten. Als wir das Gleis betreten, fühle ich mich wie in Deutschland. Der Bahnhof sieht fast genauso aus wie unser Bahnhof in Bremen. Nur mit mehr Menschen natürlich. Als wir in den Nachtzug steigen, fühlen wir uns spontan etwas beengt. Überall auf der rechten Seite sind kleine Abteile mit jeweils sechs Betten, drei rechts und drei links. Aber in den kleinen Gang links von den Abteilen passt immer nur eine Person auf einmal. Zusätzlich wird der kleine Durchgang durch die Klappsitze an der Wand noch verkleinert.


Im Nachtzug nach Shanxi

Trotz Tendenz zur Platzangst, Angst vor Bakterien und Menschenmassen finde ich es sofort gemütlich und trotz des Wissens, dass vor mir wohl nicht nur eine Person in meinem Bett geschlafen hat, die ich nicht kenne, schlafe ich so tief und fest und gut wie in meinem ganzen Leben noch nicht.

Morgens werde ich wachgeschreckt. Gerade noch in ferne Welten versunken, ohne Ahnung, wo sich mein physischer Körper gerade befindet, höre ich auf einmal meinen Namen und sehe beim ersten Augenöffnen verschwommen in ein grelles Licht, in dessen Mitte eine kleine, zierliche Person steht und auf mich zukommt. Dass ich nicht im Himmel bin, wird mir schnell klar, als ich Frau Zhang erkenne und neben ihr die Zugbegleiterin, die alle laut und erbarmungslos aus dem Schlaf reißt. Sie kontrolliert die Karten. Es ist immer noch etwas dämmrig, laut und überall sind Menschen.

Meine Laune ist ungetrübt, ich habe wunderbar geschlafen. Ich putze mir erstmal im Zugbadezimmer die Zähne.





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